Wieder einmal sorgt die "Problemfelder der Molekularbiologie"-Vorlesung für posting-Stoff.
Ein Thema auf das ich mich schon seit Beginn freue - "grüne Gentechnik" und dann hätte ich es beinahe verpasst.
Zumal der Charakter des Vortragenden mindestens ebenso interessant wie das Thema selbst war. Wie man schon im Titel erkennen kann, bin ich mir nicht ganz darüber einig, ob ich seine Vorlesungsmethodik für gut befinden soll.
Auffallend war, dass er sehr stark seine Meinung vertritt und mit Argumenten untermauert ohne (meiner Meinung nach) wirklich objektiv auf die Gegenseite einzugehen.
Aber gut, wer versucht nicht, andere von der eigenen Anschauung zu überzeugen?
Und schliesslich ist diese Vorlesung geradezu prädestiniert dafür, seine persönliche Meinung einzubringen und damit kontroverse Diskussionen anzuregen.
Nicht zuletzt deswegen eine meiner Lieblingsvorlesungen.
Mit jedenfalls zehennägelaufrollender, ganz geziehlt eingesetzter Provokation, kalkulierten Argumenten und unterstrichener Überheblichkeit macht er sich ans Werk und präsentiert uns seine Welt der grünen Gentechnik.
Man spürt förmlich die von ihm ausgehende Frustration über die Nicht-Akzeptanz der (völlig ungefährlichen!) genetisch veränderten Pflanzen in Österreich, ja sogar in Europa. [Amerika ist natürlich schon weit voraus und wir müssen schauen, dass wir nachkommen].
Unterstrichen wird das Ganze durch seine unverblümte Ablehnung und offene Geringschätzung gegenüber Gruppen, die Entwicklung und Forschung der grünen Gentechnik im Wege stehen - seien es Politiker, Religiöse Gemeinschaften oder einfach Nicht-Wissenschafter, die mit pseudowissenschaftlichen Halbwahrheiten hantieren.
Ich merke, wie ich allmählich ins Negative abrutsche, was eigentlich gar nicht meine Absicht war. Die meisten seiner Aussagen sind fundiert und sein Enthusiasmus für das Thema verständlich. In vielen Punkten stimme ich durchaus mit ihm überein.
Alleine, die diplomatische Formulierung/Vorgangsweise fehlt. Wobei ich denke, dass gerade dieses beabsichtigt ist, denn als Wissenschafter, speziell als Genetiker muss man normalerweise ständig auf der Hut sein, was man sagt bzw. wie man mit der Öffentlichkeit umgeht, da man prinzipiell mal der Böse ist - der böse Genforscher, der unsere Nahrung "mit Genen verseucht". Was eigentlich unfair ist. Da geb ich ihm recht.
Hui, ein langer post... ein bisschen was Innhaltliches wollt ich noch hinzufügen:
- seit ~10 Jahren genetisch veränderte Pflanzen grossflächig angebaut -> und wir sind noch nicht dran gestorben (ju-hu)
- Hybridsorten
- Mais mit medizin. Wirkstoff durch Pollenflug verbreitet und in Nahrungskette gelangt
- Bienensterben
- global warming - wird Gentechnik in der Landwirtschaft zur Notwendigkeit?
Irgendwann zwischendurch hab ich mir überlegt, ob ich anfangen sollte Bullshit Bingo zu spielen (Incentive, Containment, "you name it", Eurobarometer,...)- Soya: fast Sorte mit Allergen der Pekannuss angepflanzt
- "saubere" Transformation erst seit ?
- industrielle Anwendung (EtOH Erzeugung, Amylopektinkaroffel, design-te Fettsäuren)
- P.E.-Toxine (zur Schädlingsbekämpfung von der Pflanze selbst produzierte Gifte)
- Biodiesel
- Auswirkungen auf den Tourismus ("Feinkostladen Österreich")
links zu den Themen folgen noch...
... hier mal einer
www.biosicherheit.de